Der Bausparvertrag ist der Klassiker unter den Finanzierungen für alle, die in die eigenen vier Wände investieren möchten. Doch er lohnt sich nicht für jeden. Erfahren Sie, in welchen Situationen Bausparen sinnvoll ist und wann sich andere Anlage- oder Finanzierungsformen besser eignen.
- Ein Bausparvertrag lohnt sich vor allem für Menschen mit konkreten Immobilienplänen.
- Besonders attraktiv ist Bausparen bei steigenden Bauzinsen, da die Darlehenskonditionen bereits bei Vertragsabschluss feststehen.
- Staatliche Förderungen wie die Wohnungsbauprämie können den Nutzen zusätzlich erhöhen.
- Wer unabhängig sparen oder langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte jedoch auf Alternativen wie ETF-Sparpläne zurückgreifen.
Wann lohnt sich ein Bausparvertrag?
Ein Bausparvertrag kann sinnvoll sein, wenn Sie in einigen Jahren eine Immobilie kaufen, bauen oder renovieren möchten. Während der Sparphase entsteht Schritt für Schritt das benötigte Eigenkapital, gleichzeitig sichern Sie sich ein Darlehen zu bereits festgelegten Konditionen. Ob sich Bausparen tatsächlich lohnt, richtet sich jedoch nach Ihren persönlichen Zielen und Zukunftsplänen. Die folgende Übersicht zeigt typische Situationen, in denen ein Bausparvertrag Vorteile bieten kann.
| Situation | Sinnvoll? | Begründung |
|---|---|---|
| Bau, Kauf oder Modernisierung geplant | ✅ Ja | Zinsen sichern und Eigenkapital aufbauen. |
| Steigende Bauzinsen erwartet | ✅ Ja | Darlehenszins bleibt planbar. |
| Eigenkapital für eine Immobilie aufbauen | ✅ Ja | Schrittweise Vermögensbildung. |
| Staatliche Förderungen nutzen | ✅ Ja | Prämien und Zulagen erhöhen den Vorteil. |
| Keine konkreten Immobilienpläne | ❌ Eher nein | Darlehensvorteil bleibt ungenutzt. |
| Sinkende Bauzinsen erwartet | ❌ Eher nein | Spätere Kredite können günstiger sein. |
| Sofortige Finanzierung | ❌ Eher nein | Bankkredite sind schneller verfügbar. |
| Möglichst hohe Rendite erzielen | ❌ Eher nein | ETFs bieten höhere Renditechancen. |
Fazit: Ein Bausparvertrag lohnt sich vor allem bei konkreten Immobilienplänen, steigenden Bauzinsen und wenn Sie staatliche Förderungen nutzen können. Ohne Immobilienbezug oder mit dem Ziel einer möglichst hohen Rendite sind andere Finanzierungs- oder Anlageformen sinnvoller.
Vorteile und Nachteile im Überblick
Bevor Sie sich für einen Bausparvertrag entscheiden, sollten Sie die wichtigsten Vor- und Nachteile kennen. Was dafür und was dagegen spricht, zeigt die folgende Übersicht.
Vorteile
Nachteile
- Schrittweiser Aufbau von Eigenkapital
- Planungssicherheit durch feste Darlehenskonditionen
- Staatliche Förderungen möglich
- Geeignet zur Vorbereitung einer Immobilienfinanzierung
- Kapital ist über viele Jahre gebunden
- Abschlussgebühren können die Erträge schmälern
- Keine Kostenvorteile bei sinkenden Bauzinsen
- Geringere Rendite als ETF- oder Aktienanlagen
Praxisfälle: So kann ein Bausparvertrag sinnvoll eingesetzt werden
Ein Bausparvertrag ist vor allem dann sinnvoll, wenn bereits ein konkreter Verwendungszweck für das Geld besteht. Je näher der Bezug zu einer Immobilie, desto größer ist der Nutzen.
Eigenkapital aufbauen
Wer sich eine Immobilie zulegen möchte, benötigt in der Regel Eigenkapital. Mit einem Bausparvertrag lässt sich dieses über mehrere Jahre Schritt für Schritt ansparen und später in die Finanzierung einbringen. Wichtig: Sparrate und Bausparsumme sollten zur geplanten Finanzierung passen.
Darlehenszinsen sichern
Die Konditionen des späteren Bauspardarlehens stehen bereits bei Vertragsabschluss fest. Wer mit steigenden Bauzinsen rechnet, kann sich dadurch frühzeitig Planungssicherheit verschaffen. Die Tarife unterscheiden sich je nach Anbieter. Einen Überblick bietet unser Bausparvertrag-Vergleich.
Umschuldung vorbereiten
Ein Bausparvertrag kann genutzt werden, um eine spätere Anschlussfinanzierung vorzubereiten. Nach der Zuteilung lässt er sich einsetzen, um die Restschuld ganz oder teilweise abzulösen. Wichtig: Die Bausparsumme sollte ausreichend hoch gewählt werden.
Staatliche Förderungen nutzen
Staatliche Förderungen wie Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage können die Attraktivität eines Bausparvertrags erhöhen und den Kapitalaufbau zusätzlich unterstützen.
Vermögenswirksame Leistungen
Arbeitnehmer mit Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen können diese direkt in einen Bausparvertrag einzahlen. Dadurch steigt die monatliche Sparleistung, ohne dass der gesamte Betrag aus eigener Tasche kommen muss. Mehr dazu im Ratgeber zum VL-Bausparvertrag.
Für junge Menschen interessant
Berufseinsteiger haben oft noch viele Jahre bis zum späteren Immobilienkauf. Dadurch bleibt Zeit, Eigenkapital aufzubauen und mögliche Förderungen zu nutzen. Hinweis: Unter 25-Jährige können die Wohnungsbauprämie unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne wohnwirtschaftliche Verwendung behalten.
Praxisfälle: Wann Bausparen nicht sinnvoll ist
Bausparen eignet sich nicht in jedem Fall. In einigen Situationen sollte man eher auf einen normalen Kredit von der Bank zurückgreifen oder das Geld anders anlegen.
Bei sinkenden Bauzinsen
Sinken die Bauzinsen nach Abschluss des Bausparvertrags, kann der Zinsvorteil des späteren Bauspardarlehens ganz oder teilweise verloren gehen. Bei sehr niedrigen Marktzinsen lohnt sich die Inanspruchnahme des Darlehens daher oft nicht. Mehr dazu im Ratgeber Bausparvertrag-Zinsen.
Als Sofort- und Vorfinanzierung
Bausparverträge können auch für eine sofortige Immobilienfinanzierung eingesetzt werden. Dabei wird zunächst ein Vorausdarlehen gewährt, das später durch das Bauspardarlehen abgelöst wird. Hierfür fallen jedoch meist höhere Zinsen an. Unsere Einschätzung: Als Sofortfinanzierung ist ein normaler Bankkredit die bessere Lösung.
Als Geldanlage meist ungeeignet
Die Guthabenzinsen eines Bausparvertrags sind meist niedrig. Für den langfristigen Vermögensaufbau bieten andere Anlageformen häufig höhere Renditechancen. Unserer Erfahrung nach kann sich Bausparen als Geldanlage jedoch bei voller staatlicher Förderung, für sicherheitsorientierte Sparer oder bei älteren Verträgen mit hohen Zinsen lohnen.
Als Altersvorsorge nur ergänzend
Als alleinige Altersvorsorge eignet sich ein Bausparvertrag nicht. Dafür sind die Renditen meist zu gering und der Fokus zu stark auf Wohneigentum ausgerichtet. Dennoch kann Bausparen einen Beitrag zur finanziellen Absicherung im Alter leisten, beispielsweise wenn dadurch später mietfreies Wohnen möglich wird.
Ohne Förderung oft wenig attraktiv
Wer weder Wohnungsbauprämie noch Arbeitnehmersparzulage erhält, profitiert hauptsächlich von der Zinssicherheit. Für den reinen Vermögensaufbau bieten andere Spar- und Anlageformen häufig bessere Ertragschancen.
Welche Alternativen zu Bausparen gibt es?
Entscheidend ist vor allem, was Sie mit dem Geld später vorhaben. Während beim Bausparen Wohneigentum im Mittelpunkt steht, verfolgen andere Sparformen andere Ziele.
| Sparform | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Bausparvertrag | Zinssicherheit, Eigenkapitalaufbau | Geringere Rendite | Immobilienpläne |
| Tagesgeld | Flexibel verfügbar | Meist niedrige Zinsen | Kurzfristige Rücklagen |
| Festgeld | Feste Verzinsung | Geld gebunden | Planbare Geldanlage |
| ETF-Sparplan | Höhere Renditechancen | Kursschwankungen | Langfristiger Vermögensaufbau |
| Banksparplan | Hohe Sicherheit | Oft geringe Erträge | Sicherheitsorientierte Sparer |
Tipp: Wer eher kurzfristig finanzieren möchte und bereits genug Eigenkapital hat, sollte klassische Immobilienkredite als Alternative prüfen.
Fazit: Für wen eignet sich ein Bausparvertrag?
Unsere Einschätzung: Der Bausparvertrag ist ein durchdachtes Konzept, das sich aber nicht überall anwenden lässt. Seine Stärken spielt er vor allem bei konkreten Immobilienvorhaben aus. Wer sich frühzeitig Darlehenskonditionen sichern und gleichzeitig Eigenkapital aufbauen möchte, kann davon profitieren. Geht es dagegen um finanzielle Freiheit oder Rendite, gibt es bessere Alternativen.
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