Wer vermögenswirksame Leistungen in ETFs investieren möchte, hat meist die Wahl zwischen einem Robo-Advisor und einem klassischen VL-Depot. Beide ermöglichen den Vermögensaufbau mit VL, unterscheiden sich jedoch bei Kosten, Flexibilität, Aufwand und staatlicher Förderung. Wir erläutern, welches Modell zu welchem Anleger passt.
- Robo-Advisor übernehmen Fondsauswahl und Verwaltung automatisch, während Anleger bei einem klassischen VL-Depot selbst über die Geldanlage entscheiden.
- Bei kleineren VL-Beiträgen sind Robo-Advisor günstiger, bei höheren klassische Depots.
- Depots ermöglichen oft staatliche Förderung, Robo-Advisor in der Regel nicht.
- Für die meisten VL-Sparer ist ein klassisches Depot die attraktivere Lösung.
Robo-Advisor oder VL-Depot: Welche Lösung passt zu Ihnen?
Aus unserer Sicht gibt es keine pauschal beste Lösung. Entscheidend sind die Höhe Ihrer vermögenswirksamen Leistungen, die mögliche Arbeitnehmersparzulage und die Frage, wie stark Sie sich selbst um die Geldanlage kümmern möchten. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung.
| Ihre Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Sie möglichst wenig Aufwand möchten | Robo-Advisor |
| Anspruch auf Arbeitnehmersparzulage haben | VL-Depot |
| 40 € VL vom Arbeitgeber erhalten | VL-Depot |
| Nur 6,65 € VL bekommen | Robo-Advisor |
| Einen ETF selbst auswählen möchten | VL-Depot |
| Sich nicht mit der Anlage beschäftigen möchten | Robo-Advisor |
Unsere Einschätzung: Für Arbeitnehmer mit dem vollen VL-Zuschuss von 40 € pro Monat ist ein klassisches VL-Depot häufig die attraktivere Lösung. Die niedrigeren Kosten und die mögliche Arbeitnehmersparzulage gleichen den etwas höheren Aufwand meist deutlich aus.
Robo-Advisor oder VL-Depot: Die Unterschiede auf einen Blick
Robo-Advisor und klassische VL-Depots verfolgen unterschiedliche Ansätze. Während Robo-Advisor die Geldanlage weitgehend automatisieren, bieten klassische Depots mehr Möglichkeiten. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.
| Merkmal | Robo-Advisor | Klassisches VL-Depot |
|---|---|---|
| Fondsauswahl | Vorgegeben | Frei wählbar |
| Aufwand | Sehr gering | Etwas höher |
| Kosten | Höher | Niedriger |
| Renditechancen | Gut | Potenziell höher |
| Rebalancing | Automatisch | Selbst |
| VL-Förderung | nicht möglich | möglich |
| Geeignet für | Einsteiger | Selbstentscheider |
Was ist ein Robo-Advisor (bei vermögenswirksamen Leistungen)?
Ein Robo-Advisor ist eine sogenannte digitale Vermögensverwaltung, die das Geld automatisch nach einer festgelegten Anlagestrategie investiert. Das zusammengesetzte Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt: Robo (Roboter) und Advisor (Berater). Die Anlage erfolgt in der Regel in breitgestreute ETFs, die bekannte Aktienindizes wie den MSCI World oder den FTSE All World nachbilden. Der Vorteil: Sie müssen sich weder mit der Auswahl geeigneter ETFs noch mit der laufenden Überwachung der Geldanlage beschäftigen. Der Robo-Advisor übernimmt diese Aufgaben weitgehend automatisiert. Über einen monatlichen Sparplan fließen die vermögenswirksamen Leistungen (VL) des Arbeitgebers regelmäßig in die gewählte Anlagestrategie.
Was ist ein klassisches VL-Depot?
Ein klassisches VL-Depot ist ein Wertpapierdepot, über das vermögenswirksame Leistungen in Fonds oder ETFs investiert werden können. Im Gegensatz zu einem Robo-Advisor trifft der Anleger die Anlageentscheidungen selbst. Die monatlichen VL-Zahlungen des Arbeitgebers werden regelmäßig in den gewählten Fonds oder ETF investiert, wie man es von einem herkömmlichen Sparplan kennt. Anders als beim Robo-Advisor erfolgt keine automatische Vermögensverwaltung. Die Auswahl des Fondssparplans und die Überwachung der Anlage liegen beim Arbeitnehmer.
Kurz gesagt: Während ein Robo-Advisor die ETF-Auswahl und Verwaltung übernimmt, investiert der Anleger bei einem klassischen VL-Depot eigenständig und behält die volle Kontrolle über seine Geldanlage.
Kostenvergleich: Robo-Advisor vs. klassisches VL-Depot
Die Kosten zählen zu den wichtigsten Unterschieden zwischen einem Robo-Advisor und einem klassischen Depot. Während bei einem VL-Depot meist eine feste Depotgebühr und geringe ETF-Kosten anfallen, berechnen Robo-Advisor ihre Gebühren prozentual auf das verwaltete Vermögen. Dadurch steigen die Kosten mit wachsendem Guthaben.
- Robo-Advisor: Meist 0,7 % bis 1,5 % jährliche Verwaltungsgebühr inklusive ETF-Kosten
- Depot: Feste Gebühr von z.B. 12 € pro Jahr plus niedrige ETF-Kosten von ca. 0,2 % pro Jahr.
Unsere Einschätzung: Für Arbeitnehmer mit sehr niedrigen VL-Beträgen kann ein Robo-Advisor aufgrund der fehlenden Depotgebühr durchaus attraktiv sein. Mit steigenden Sparraten wirken sich die laufenden Verwaltungsgebühren jedoch stärker aus, sodass ein klassisches Depot häufig die kostengünstigere Lösung ist.
Tipp: Einen detaillierten Kostenvergleich einzelner Anbieter finden Sie im Kapitel: VL-Depot.
Renditevergleich: klassisches Depot vs. Robo-Advisor
Die Rendite hängt nicht nur von der gewählten Anlageform, sondern auch von der Anlagestrategie ab. Robo-Advisor setzen auf breit gestreute Portfolios, die automatisch verwaltet und regelmäßig angepasst werden. Anleger müssen sich daher nicht selbst um die Auswahl einzelner ETFs oder Fonds kümmern. Bei einem klassischen VL-Depot liegt diese Entscheidung dagegen beim Arbeitnehmer. Wer einen passenden ETF auswählt, kann von niedrigen Kosten und guten Renditechancen profitieren, übernimmt dafür aber auch die Verantwortung für die Produktauswahl.
Für Einsteiger kann ein Robo-Advisor deshalb durchaus die bessere Rendite erzielen, da die Anlagestrategie professionell umgesetzt wird. Erfahrene Anleger haben dagegen die Möglichkeit, mit einem selbst ausgewählten ETF oder einem aktiv gemanagten Fonds (der den Markt schlägt) höhere Erträge als ein Robo-Advisor-Portfolio zu erreichen. Dies ist allerdings nicht garantiert und setzt eine gute Produktauswahl voraus.
Staatliche Förderung kann Rendite erhöhen
Ein wichtiger Zusammenhang besteht zwischen Rendite und staatlicher Förderung. Bei einem klassischen VL-Depot besteht häufig Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage. Diese wirkt wie eine zusätzlicher Renditeturbo: Wer die maximale Fördermöglichkeit von bis 80 Euro pro Jahr ausschöpft, kann seinen Auszahlungsbetrag nach sieben Jahren um bis zu 560 Euro erhöhen. Bei den derzeit verfügbaren Robo-Advisorn für vermögenswirksame Leistungen entfällt diese Fördermöglichkeit. Deshalb sollte bei einem Renditevergleich nicht nur die Wertentwicklung der Anlage, sondern auch der mögliche Fördervorteil berücksichtigt werden.
Kurz gesagt: Ein Robo-Advisor bietet die größere Sicherheit, keine gravierenden Anlagefehler zu machen. Wer die richtigen Produkte auswählt, kann mit einem klassischen Depot jedoch von besseren Renditechancen profitieren und diese mit der staatlichen Förderung weiter erhöhen.
Staatliche Förderung vs Flexibilität
Ein klassisches VL-Depot unterliegt der gesetzlichen VL-Sperrfrist von sieben Jahren (sechs Jahre Einzahlung plus ein Ruhejahr). Die rechtlichen Grundlagen hierzu sind im 5. Vermögensbildungsgesetz geregelt. Dafür können Arbeitnehmer – abhängig vom Einkommen – von der staatlichen Arbeitnehmersparzulage profitieren. Bei einem Robo-Advisor gibt es dagegen keine feste Laufzeit. Das Geld bleibt flexibel verfügbar und kann meist jederzeit entnommen werden. Aus dem Grund ist allerdings beim Robo-Advisor auch keine staatliche Förderung möglich.
Kurz gesagt: Das VL-Depot bietet staatliche Förderung, erfordert aber die Einhaltung der Laufzeit. Die Anlage beim Robo-Advisor ist flexibler, dafür muss auf die Sparzulage verzichtet werden.
Fazit: Für wen lohnt sich was?
Ein Robo-Advisor eignet sich vor allem für Anleger, die sich möglichst wenig mit ihrer Geldanlage beschäftigen möchten. Die ETF-Auswahl, Risikostreuung und das Rebalancing übernimmt der Anbieter automatisch. Dafür fallen meist höhere laufende Kosten an und eine staatliche VL-Förderung ist häufig nicht möglich. Ein klassisches VL-Depot bietet mehr Auswahl, niedrigere Gebühren und oft Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage, erfordert jedoch etwas mehr Eigeninitiative. Bei niedrigen VL-Beiträgen kann ein Robo-Advisor aufgrund der fehlenden Depotgebühr preislich vorteilhaft sein. Bei höheren Sparraten ist das klassische Depot dagegen meist die kostengünstigere Lösung.
Fazit: Nach unserer Analyse spricht für die meisten VL-Sparer mehr für ein klassisches VL-Depot als für einen Robo-Advisor. Wer bereit ist, einmalig einen ETF auszuwählen, profitiert häufig von niedrigeren Kosten, größerer Produktauswahl und der möglichen Arbeitnehmersparzulage.
Tipp: Sie haben sich für ein klassisches Depot entschieden? In unserem Vergleich für VL-Depots finden Sie die wichtigsten Anbieter und deren Konditionen. Einen Überblick über geeignete ETF-Anbieter finden Sie unter: VL-ETF.



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